Der alte Mann und das Technologie-Meer

November 28, 2007

Doug Morris, seines Zeichen CEO von Universal Music, hat Wired ein exklusives Interview gegeben, in dem er auch seinen Feldzug gegen den iTunes Store von Apple erklärte.

Nach der Frage warum man von Plattenindustrie sich nie wirklich Mühe bei der Entwicklung eines eigenen legalen Onlineshops gemacht hätte antwortete Morris:

“There’s no one in the record industry that’s a technologist,” Morris explains. “That’s a misconception writers make all the time, that the record industry missed this. They didn’t. They just didn’t know what to do. It’s like if you were suddenly asked to operate on your dog to remove his kidney. What would you do?”

Personally, I would hire a vet. But to Morris, even that wasn’t an option. “We didn’t know who to hire,” he says, becoming more agitated. “I wouldn’t be able to recognize a good technology person — anyone with a good bullshit story would have gotten past me.”

Quelle: Wired

Ein schöner Zug von Morris nicht nur sich selbst jegliche Qualifikation für seinen Job, sondern auch die Qualifikation seiner damaligen Personalchefs einfach zu verneinen. Dabei hätte auch damals ein Anruf beim Studentensekretariat der Stanford University vermutlich schon genügt, gilt diese Universität nicht erst seit den Neunzigern als Kreativpool im IT-Bereich. Auch Gespräche mit den mp3-Erfindern vom Fraunhofer Institut oder Napster-Gründer Shawn Fanning hätte man führen können, um Ausblicke darauf zu bekommen was mit diesen Innovationen in Zukunft auch wirtschaftlich alles möglich wäre.

Aber auch in Deutschland darf man an dem Realitätsbezug mancher in der Musikbranche aktiven Personen zweifeln.

Die Branchenzeitschrift Musikwoche veröffentlichte in ihrer Ausgabe 33/2007 eine Studie die sich mit den Ansichten von Filesharern zum Thema Filesharing beschäftigt. Die Studie wurde im Heft 34/2007 von vielen Musikwoche Lesern aus der Branche hoch gelobt.

Sie ist auch informativ und interessant. Wenn man noch im Jahre 1999 lebt.

Wer nach fast einem Jahrzehnt wirtschaftlicher Krise noch nicht auf die Idee gekommen ist die abgewanderten Kunden nach deren Motivation zu befragen, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Ich schließe mit den Worten der Kollegen vom Vulture NYmag: “We give this industry six months to live.”


…aber nicht nur Veranstalter machen Tickets teuer!

November 24, 2007

Man sollte meinen, dass ein so großer Player im Ticketing wie Eventim auch zu den günstigen Anbietern gehört. Tja, falsch gedacht. Nicht nur dass Eventim immer 1-2 € auf den Ticketpreis aufschlägt, nein, dazu kommen nochmal 4,90€ Bearbeitungsgebühr. Bei der Konkurrenz wie ticketcenter.de ist das Ticket zwar günstiger, aber auch hier kostet der Versand nochmal 3,50€. Auch wenn die Online-Tickethändler viele tolle Features bieten, drängt sich der Verdacht auf dass hier nochmal schön mitverdient wird.

Um den Aufpreis von 7 € zu sparen gehe ich dann doch lieber zur örtlichen Theaterkasse. Und mit etwas Glück haben die auch Hardtickets, die im Vergleich zu den sterilen Onlinehändler-Tickets eh viel schöner sind!

Zu einer Rich User Experience gehört auch der Preis, Freunde der Sonne!


Gier macht auch gesunde Branchen krank!

November 23, 2007

Es war etwas besonderes die Helden meiner Jugend zu sehen. Und die Toxic Twins rocken mit Ende 50 immer noch mehr als manche aktuelle mittzwangiger Band. Aerosmith in der Köln Arena war ein Erlebnis. Steven Tyler ist einzigartig und Joe Perry war für mich schon immer eine Ikone… und obwohl mich das Konzert positiv emotionalisiert hat, bleibt im Rückblick ein fader Beigeschmack.

Die Kartenpreise fingen bei 70€ an. Und dies hatte Folgen, denn so blieben viele Plätze leer (am Eingang wurden Oberrang-Karten gegen Unterrang-Karten getauscht, weil der Oberrang geschlossen blieb) und der Altersdurchschnitt der Besucher war sehr hoch. Dies widerrum drückte etwas die Stimmung, denn nicht jeder Zuschauer gehobenen Alters ist noch so agil wie die Herren Aerosmith. Und das gefiel der Band an manchen Stellen gar nicht.

Dabei hatten Aerosmith einige ihrer größten Erfolge wie das Album Get A Grip und die Hit-Single I Don´t Wanna Miss A Thing doch in den 90ern, sollten also auch ein Publikum in meinem Alter ansprechen. Doch diese Chance wurde schon durch die Kartenpreise verschenkt.

Das dies kein Einzelfall war zeigen Stimmen aus den USA ,die die von Konzertveranstaltern wie Live Nation zu hoch angesetzten Ticketpreise in zu großen Venues bemängeln. Unlängst mussten Auftritte von z.B. Maroon 5 oder Kelly Clarkson in kleinere Hallen verlegt werden, da der Vorverkauf schleppend lief.

Ein nur halbvolles Konzert oder die Meldung in eine kleinere Venue umziehen zu müssen, lässt immer einen faden Beigeschmack. Man hat das Gefühl dass die Band nicht mehr “heiss” ist. Dies beschädigt die Marke der Band und wirkt sich damit negativ auf alle Einnahmesparten aus. Gerade ein Fan der viel Geld für eine Karte investiert und dann in einer halbvollen Venue steht, wird die Gier des Künstlers anprangern und sich im schlimmsten Fall komplett von ihm abwenden. Das sollte einer 360°-Firma wie Live Nation bewusst sein.

Viele blicken im Zeitalter der schwindenden Umsätze/Gewinne im Bereich Recorded Music auf die Konzertbranche. Und so mancher Veranstalter läuft mit geschwellter Brust durch die Gegend und fühlt sich als Cash Cow.

Man kann Veranstalter, Agenturen und Künstler nur davor warnen die gleichen Fehler wie die Plattenindustrie zu machen: Verliert nicht Eure Zuschauer aus den Augen! Seit loyal zu ihnen und sie werden loyal zu Euch sein.


Das Ende der kleinen Preise!

November 22, 2007

Auf der Musikmesse My Music erklärte DMV-Präsidentin Dagmar Sikorski am 11. Oktoberin Friedrichshafen, dass Forderungen nach einem freien Wettbewerb zwischen den Gesellschaften leicht dazu führen könnten, dass sich besonders aktuelle Musiktitel und Bestseller in den Preisen verdoppeln könnten.

 

Hui, dachte ich als alter Deutsch-LKler, will uns Frau Sikorski hier mit einem Oxymoron unterhalten? Oder bin ich selber auf dem Holzweg und meine Dozenten haben mir in Fächern mit großspurigen Namen wie „Ökonomie“ und „Volkswirtschaftslehre“ Zusammenhänge falsch erklärt.

 

Wenn eine Plattenfirma Musikfirma sich dafür entscheiden könnte nicht bei der GEMA Lizenzen zu beziehen sondern bei einer anderen europäischen Verwertungsgesellschaft die günstigere Tarife bietet, würde die Musikfirma Geld sparen. Dies wäre ein Kostensenkungspotenzial, das Label könnte also die Preise senken oder gleich halten um die Marge zu erhöhen. Wenn das Label die Preise erhöhen würde, hätte das keinerlei kausalen Zusammenhang zum freien Wettbewerb der Verwertungsgesellschaften.

 

Natürlich können auch auf einem freien Markt Preise steigen z.B. wenn mono- oder oligopolartige Strukturen entstehen. Das ist jedoch genau das was die GEMA mit CELAS gerade versucht.

Auf der Popkomm gab Dr. Becker offen zu, dass die GEMA CELAS gegründet habe, um gegen einen Verfall der Tarife entgegenzugehen.

 

Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Diskussion ist jedoch etwas ganz anderes. Die EU will freien Wettbewerb in Europa. Andere Marktteilnehmer wie die niederländische BUMA/STEMRA wollen ihn auch, wie sie auf der Popkomm zu verstehen gab. Der Wettbewerb steht also vor der Tür, da können sich die GEMA und der DMV auf den Kopf stellen.

 

Selbst wenn die EU-Komissionen mittlerweile den Sorgen der Verwertungsgesellschaften und Urheber mehr Gehör schenken ist es durchaus fraglich was der Europäische Gerichtshof bei einer entsprechenden Klage entscheiden würde. Wo doch die Wettbewerbsförderung im Binnenmarkt eines der Grundprinzipien der EU ist. Vielleicht würde eine reine Plattenfirma den Prozess verlieren, aber wie soll man eine solche Wettbewerbseinschränkung jemanden erklären der Autor, Interpret und Plattenfirma zugleich ist (z.B. Naidoo Records)??

 

Für mich bietet kein Szenario die Aussicht auf steigende Preise. Wie kommt Frau Sikorski also zu ihrer Ansicht, dass freier Wettbewerb den Preis steigen könnte? Möglicherweise ist das ein Thema, dass im Hause Sikorski beim gemeinsamen Essen diskutiert wird. Dagmar Sikorski ist liiert mit Jürgen Großmann, dem Vorstandsvorsitzenden der RWE AG.

 


Hallo Welt!

November 22, 2007

Heue eröffne ich meinen kleinen Blog.

Hier werde ich zu Themen aus dem Musikbusiness Stellung beziehen.

Ich freue mich über Eure Kommentare!