Der alte Mann und das Technologie-Meer
Doug Morris, seines Zeichen CEO von Universal Music, hat Wired ein exklusives Interview gegeben, in dem er auch seinen Feldzug gegen den iTunes Store von Apple erklärte.
Nach der Frage warum man von Plattenindustrie sich nie wirklich Mühe bei der Entwicklung eines eigenen legalen Onlineshops gemacht hätte antwortete Morris:
“There’s no one in the record industry that’s a technologist,” Morris explains. “That’s a misconception writers make all the time, that the record industry missed this. They didn’t. They just didn’t know what to do. It’s like if you were suddenly asked to operate on your dog to remove his kidney. What would you do?”
Personally, I would hire a vet. But to Morris, even that wasn’t an option. “We didn’t know who to hire,” he says, becoming more agitated. “I wouldn’t be able to recognize a good technology person — anyone with a good bullshit story would have gotten past me.”
Quelle: Wired
Ein schöner Zug von Morris nicht nur sich selbst jegliche Qualifikation für seinen Job, sondern auch die Qualifikation seiner damaligen Personalchefs einfach zu verneinen. Dabei hätte auch damals ein Anruf beim Studentensekretariat der Stanford University vermutlich schon genügt, gilt diese Universität nicht erst seit den Neunzigern als Kreativpool im IT-Bereich. Auch Gespräche mit den mp3-Erfindern vom Fraunhofer Institut oder Napster-Gründer Shawn Fanning hätte man führen können, um Ausblicke darauf zu bekommen was mit diesen Innovationen in Zukunft auch wirtschaftlich alles möglich wäre.
Aber auch in Deutschland darf man an dem Realitätsbezug mancher in der Musikbranche aktiven Personen zweifeln.
Die Branchenzeitschrift Musikwoche veröffentlichte in ihrer Ausgabe 33/2007 eine Studie die sich mit den Ansichten von Filesharern zum Thema Filesharing beschäftigt. Die Studie wurde im Heft 34/2007 von vielen Musikwoche Lesern aus der Branche hoch gelobt.
Sie ist auch informativ und interessant. Wenn man noch im Jahre 1999 lebt.
Wer nach fast einem Jahrzehnt wirtschaftlicher Krise noch nicht auf die Idee gekommen ist die abgewanderten Kunden nach deren Motivation zu befragen, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
Ich schließe mit den Worten der Kollegen vom Vulture NYmag: “We give this industry six months to live.”